Junggesellenverein Uersfeld
Verein
Maibaum
Hillich
-Lieder

 

Junggesellenfest
Immer am letzten 

Wochenende im 

September



 

Alte Tradition

Der Maibaum wird gestellt . . .

 

Der Junggesellenverein beim 
Aufstellen des Maibaumes 

 

Die letzten Vorbereitungen

auf gehts...

geschafft...
Lohn der Arbeit
 
Über den Verein

Zur guten Tradition des 1905 gegründeten Vereins gehört das Aufstellen des Maibaumes

 und das Singen der Hillich (Polterabend). Eigentlich ist der Name des Vereins seit Jahren nicht mehr so ganz richtig, weil seit den Siebziger Jahren auch die Mädchen in den Verein aufgenommen werden. Der Verein besteht heute also aus unverheirateten Frauen und Männern, die jährlich ein Junggesellenfest ausrichten. Hierzu werden andere Junggesellenvereine aus nah und fern eingeladen. Gegenbesuche bei den Festen der anderen Vereine ist Pflicht, will man selbst ein gut besuchtes und erfolgreiches Fest durchführen. Der ca. 55 Mitglieder starke Junggesellenverein führt fast jährlich eine Junggesellenfahrt durch und beteiligt sich aktiv an Veranstaltungen der Dorfgemeinschaft.  Die über 70-jährign Mitbürgerinnen und Mitbürger des Dorfes erhalten seit vielen Jahren von dem Verein eine "Nikolaustüte", die von den Junggesellen persönlich überbracht wird.


 
Tradition Maibaum

Der Maibaum ist keine Erfindung der Neuzeit. Die Menschen sahen im Baum, zumindest in alten Kulturen, ein Gleichnis des Lebens und seiner Gesetze. Für sie war der Baum ein Spiegel, in dem sie sich selbst und die Welt wiedererkannten und fanden. Der Baum mit seinen ausgestreckten Ästen vor dem wechselnden Himmel, glich dem Menschen oder seinem Haus, er drang in die Geheimnisse der Tiefe und schwang seinen Wipfel in den Raum des Himmels. Was immer die Völker von ihren Göttern geglaubt haben: es verband sich mit dem Baum. Ob wir archaische Fruchtbarkeitsreligionen oder den griechischen Mythos lesen, ob wir in Höhlenbildern zarte symmetrische Baumbilder entziffern oder die Genesis Israels lesen: der Baum ist das Mächtige, Anfang und Ende zusammenfassende Gleichnis, dem der Mensch sein Heil und Verderben zuordnet.

Bäume geben den Menschen die Luft zum Atmen, ihre Blätter und Früchte enthalten Heilkraft, und ohne das Holz stünde die kulturelle Entwicklung noch auf der untersten Stufe. Schon im 7. Jhd. vor Christus wussten das die Menschen, wie folgende Worte des chinesischen Ministers Kuan Chung beweisen: "Planst du für ein Jahr, so säe Korn. Planst du für ein Jahrtausend, so pflanze Bäume."
 
Die erste Maibaumaktion begann wohl im Jahr 1225 in Aachen, als alle Gemeindemitglieder ausgelassen um einen großen Maibaum tanzten. Der dortige Pfarrer nahm an diesem für ihn eindeutig heidnischen Brauch derart Anstoß, dass er kurzerhand zur Axt griff und den Baum fällte. Der Maibaumbrauch begeisterte im 13. und 14. Jahrhundert die Bevölkerung zunehmend, obwohl er sich in Folge des kirchlichen Einspruchs nur mühsam erhalten konnte.

Auch im 15. und 16. Jahrhundert setzte sich der Brauch fort, die Bäume blieben aber noch naturbelassen und erhielten bunten Bänderschmuck. Die Burschen steckten sie dann vor das Haus ihres Mädchens. Zu dieser Zeit begann auch die Maibaumwilderei, weil die Waldbesitzer sich gegen den Raubbau am Wald verwehrten. Daher wurden bereits geschlagene Maibäume gestohlen, außerdem stieg man dabei in der Gunst der Angebeteten und der Dorfgemeinschaft. 

Nach dem 30jährigen Krieg (1618 - 48) wurden nach einem soldatischen Brauch regelmäßig Maibäume aufgestellt.

Im 18. Jahrhundert traten dann die sogenannten Figuren-Bäume in Erscheinung, die mit handwerklichen Zunftzeichen oder religiösen oder patriotischen Emblemen geschmückt waren. Auch das Maibaumklettern, vor allem im Chiemgau, begann zu dieser Zeit.

Nach dem 1. Weltkrieg 1919 wurde der 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag erhoben, im 3. Reich zum Volksfeiertag ernannt; der Maibaum war dabei unentbehrliches Requisit und sollte das Volk in nationale Aufbruchstimmung versetzen. Nach Ende des Krieges 1945 konnte Deutschland zweifellos ein Zeichen brauchen, das einen neuen Frühling ankündigt. Der Maibaum wurde besonders in Nordbayern und Hessen sehr rasch wieder belebt. Ab 1955 gliederte Papst Pius XII diesen Brauch auch in die Kirchen ein, der "christliche Tag der Arbeit" wurde ins Leben gerufen.

Für die meisten Menschen bedeutet die Teilnahme am Maibaum-Aufstellen einfach eine willkommene Gelegenheit zum geselligen Beisammensein, das den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu fördern vermag. 

Das Stellen des Maibaumes ist eine jährlich wiederkehrende Attraktion im Dorfleben und im gesamten dörflichen Raum, obwohl immer mehr Städte auf ihren Marktplätzen am Vortag zum 1. Mai das heidnische Frühlingssymbol aufstellen. Mit wenigen Axthieben wurde eine gerade Fichte gefällt (heute wird die Motorsäge mal schnell zum Einsatz gebracht), die natürlich höher und schöner als die des Nachbarn sein muss, was aber nicht immer so klappt. Danach wird sie zum Aufstellungsort transportiert, der Wipfel mit bunten Bändern geschmückt und der Baum aufgerichtet. Hierbei ist den starken Mannen eigentlich allein Handarbeit erlaubt ("wer`s glaubt wird seelig") und so geschieht das nicht ungefährliche Vorhaben mit Hilfe mehrere Stützen die zu "Scheren" zusammengebunden werden. Unter vielem oft besserwissendem Zureden der Schaulustigen kommt das kostbare Stück allmählich in eine senkrechte Lage, eine Arbeit, die sich über zwei Stunden hinziehen kann. Wo man noch besonders auf die Einhaltung des alten Brauchtums achtet, ist es geradezu verpönt, sich eines technischen Hilfsmittels, z. B. eines Flaschenzuges oder gar Krans, zu bedienen.


Hillich und Brautwerbung

Das uralte Brauchtum der "Hillich" (von mhd. hi-leich, urspr. der dem Brautpaar dargebrachte Gesang) hat sich bis in die heutige Zeit erhalten, allerdings hat sich die Art des "Hillichmachens" erheblich verändert. 
Bevor darauf eingegangen wird, wie unsere Vorfahren die Hillich feierten, soll in einigen Beispielen auf Sitten und Gebräuche um die Brautwerbung berichtet werden. 
In der Eifel war es üblich, dass sich der junge Mann, bevor er zu einem Mädchen "freien" ging, sich vergewisserte, dass ihm die Auserkorene auch gesonnen war. Das geschah z.B. dadurch, dass er in der Nacht auf einer Leiter an das Schlafzimmerfenster des Mädchens stieg und an das Fenster klopfte; öffnete das Mädchen das Fenster und sprach einige Worte mit ihm, dann konnte er sicher sein, dass das Mädchen ihn als "Freier" akzeptierte. In diesem Falle ging der junge Mann am nächsten Sonntagabend in das Haus seiner Angebetenen und brachte seine Werbung in offizieller Form vor. 
Wurde das Fenster aber nicht geöffnet, wusste er, dass sein Werben vergebens sein würde. 
Eine andere Art, sich das "Jawort" zu holen, war folgende: Der Junge ging mit einer Flasche Wein oder Branntwein in das Haus des Mädchens und stellte die Flasche auf den Tisch. Holte das Mädchen dann Gläser, so war es mit dem Bewerber einverstanden; stellte sie aber keine Gläser auf den Tisch, wurde ihm damit angezeigt, dass sein Werben nicht erwünscht sei. 
In Hunsrück und Eifel (der Brauch hielt sich im Hunsrück viel länger als in der Eifel) gab es fast in jedem Dorf einen sogenannten "Hillich- oder Heilichmächer", der gewerbsmäßig Paare zusammenbrachte. Der "Hillichmächer" führte einen richtigen Handel herbei, bei dem mehr auf die Übereinstimmung des Vermögens als auf die Zuneigung der Herzen gesehen wurde. Während der "Hillichmächer" anfangs mit erkünstelter Harmlosigkeit zu Werke geht und über dies und jenes spricht, wird der Heiratswillige durch das gesamte Anwesen und Besitztum geführt, man zeigt ihm Stall, Scheune, Felder, Garten und Speicher und nicht zuletzt auch den Leinenschrank. Nun ist es Sache des "Hillichmächers" das Wesen und den Besitztum des Mannes in glänzenden Farben zu beschreiben. 
Die Hillichmächer wurden in Geld oder Naturalien bezahlt. 

In der Mainacht stellten die Jungen "ihren" Mädchen eine junge Birke oder Buche vor das Haus. Unbeliebten Mädchen wurde Häcksel gestreut und die Haustür mit Dornen umkränzt (z.B. in Düngenheim und Urmersbach). In Kaisersesch wurde Häcksel von der Haustür des Mannes bis zur Haustür des Mädchens gestreut. Dieser Brauch war in Hambuch in der Neujahrsnacht üblich. 
Kam der Freier von einem anderen Dorf, dann streute man in Eppenberg Spreu oder Häcksel (kaaf), vom Haus des Mädchens bis vor den Ort in der Richtung des Dorfes aus dem der junge Mann kam. Dies sollte eine Mißbilligung dafür sein, dass der Ortsfremde den ortsansässigen Jungen ein Mädchen wegnehmen wollte. Eine Missbillgungsbezeugung war auch der Brauch des "Strippens": Kam ein Ortsfremder zum zweiten Male in den Ort freien, so wurde er vor dem Ort von den Jugendlichen empfangen und seines Hutes beraubt, den er nur durch eine Geldspende freikaufen konnte. Tat er das nicht, wurde ihm beim Verlassen des Ortes aufgelauert und "er wurde gereisert" d.h., man verpasste ihm einige Schläge mit Reisern. 
Eine etwas "makabre " Sache erscheint uns heute der Brauch des sogenannten "Mailehens" (in Urkunden auch Maidlehen) gewesen zu sein: 
In der Nacht vor dem 1. Mai traf sich die unverheiratete Jugend des Ortes auf dem Dorfplatz. Alle unverheirateten Mädchen wurden von einem "Ausklöpper" (Versteigerer) an die Dorfjungen einzeln versteigert. Die zur Versteigerung anstehende Dame wurde dabei natürlich mit den notwendigen Bemerkungen des Ausklöppers bedacht, z.B.: "Mariechen, das kleine Moppelchen" oder bei einem wohlproportionierten Mädchen: "Da hast du was für dein Geld" usw. Mädchen, für die kein Gebot abgegeben wurde, kamen in die sogen. "Bütt", d.h. sie wurden nach Abschluss der Einzelversteigerung im Gesamten versteigert. 
Das Ansteigern kostete natürlich, insbes. dann viel Geld, wenn mehrere junge Männer das gleiche Mädchen ersteigern wollten. 
Nach dreimaligem Hammerschlag erteilte der Ausklöpper dem Meistbietenden den Zuschlag. 
Der Ersteigerer hatte das Recht, mit dem von ihm angesteigerten Mädchen ausschließlich zu verkehren "mit ihm zu gehen", wobei der Ansteigerer der "Bütt" natürlich die Qual der Wahl hatte. Die Laufzeit dieses Rechtes war in den einzelnen Orten verschieden, manchmal so gar bis zu einem Jahr, meistens aber nur für den Maimonat insbesondere aber für die Dorfkirmes. 
Ein besonders dafür Beauftragter des Junggesellenvereins, hatte darauf zu achten, dass die anderen Dorfjungen die Rechte des Ansteigerers nicht beeinträchtigten. Zuwiderhandlungen wurden mit einer Geldstrafe geahndet, die, wie zuvor auch der Erlös der Versteigerung, in die Kasse des Junggesellenvereins floß. 
Dieser Brauch war z.B. in Ulmen, Leienkaul, Laubach und Müllenbach üblich, wahrscheinlich auch in Kaisersesch, denn Anfang der 50er Jahre hatte der damalige Junggesellenverein in Kaisersesch einmal ein solches Mailehen nachgestellt. 
Die "Hillisch" fand am Vorabend der ersten Ehe-Verkündung statt. 
Unter Anführung des Vorsitzenden des Junggesellenvereins ("Scholtes" von Schultheiß) zogen die Mitglieder des Junggesellenvereins vor das Haus der Braut und singen ein mehrstrophiges Lied. 
z.B. 
Laubach "Guten Abend mein Kind, guten Abend mein Schatz" 
Hauroth: "Ich hab mein Feinsliebchen" 

Hillich-Lieder vom JGV Nohn

Während des Liedes pfeift der "scholtes" auf dem "Hillichstab" in den zwei Pfeifen hineingeschnitten sind. Nach dem Singen und Pfeifen beginnt das "Hillichschleifen", bei dem ein Karrenrad in schnelle Umdrehungen versetzt wurde und eine Sense auf dem eisernen Belag des Rades geschliffen wurde. Dieses Schleifen wird von einem ohrenbetäubenden, wehmütigen Geheul aller Akteure und auch der Zuschauer begleitet. Anschließend laufen die Hillichgesellen unter weiterem Schleifen und Heulen zweimal durch den Ort. 
Danach bittet der Bräutigam den Anführer und zwei Delegierte der Hillichgesellschaft ins Haus. Hier bringt der Anführer den Hillichspruch und die Glückwünsche aus. 

Der Hillichspruch lautete in Laubach: 
"Wir haben soeben vernommen, 
Es sei ein Jüngling in unseren Rosengarten gekommen 
Und habe uns die schönste Jungfrau genommen. 
Dafür fordern wir: 
Was uns von unserem Kaiser und König anerkannt worden ist, 
Nämlich 2 1/2 Dutzend Kronentaler und so viele Schinken und Braten; 
Als dieser Tisch kann tragen. 
Und soviel Bier und Wein, 
Als im Rhein Wasser sein, 
Oder besser gesagt, 20 Mark und 2 Liter Schnaps." 

Nach dem Spruch stößt der Anführer dreimal mit dem Hillichstab auf die Erde und spricht: "Ramses, Stampers, Amen" 
Die draußen wartende Schar singt unterdessen: "Schönes Geldchen, schönes Gut" 
Anschließend geht es mit dem Lied "Schönster Schatz mein Augenstern" ins nächste Wirtshaus um die Spende des Bräutigams - die, wenn der Bräutigam von auswärts kam, erheblich höher war als bei einem ortsansässigen - "flüssig" zu machen. 
Nebenbei sei noch bemerkt, dass Braut und Bräutigam in der Zeit von der Hillich bis zur Hochzeit weder unter einem Dach wohnen, noch zusammen vereisen durften, denn sonst stand die Ehe unter keinem guten Stern. 
Im heutigen "mechanisierten" Zeitalter, kann kaum noch jemand richtig eine Sense schleifen und Karrenräder gibt es nur noch als Zierde an Hauswänden und in Ziergärten. In Ermanglung dieser Kunst und des Fehlens der notwendigen Geräte, wird jetzt Porzellan und Keramik geworfen, dies macht auch Lärm und Scherben bringen ja bekanntlich Glück. 
Bierglaskragen, Bierfilze, Toilettenpapier und Verpackungsmaterial aus Kunststoff, die heute oft geworfen werden, aber machen weder Lärm noch gelten sie als Glücksbringer.

siehe auch

"Brauchtum und Aberglaube in der Eifel"

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